VON DETLEF ANDERS, 12.11.09, 17:51h, aktualisiert 12.11.09, 20:59h

42 Gespanne, hier Gina Hesse in der Klasse mit vier Siberian Huskys, gingen in Westerhausen an den Start. (FOTO: CHRIS WOHLFELD)
WESTERHAUSEN/MZ. Lautes Hundebellen durchbricht an der Shyway-Meadow-Ranch in Westerhausen die beschauliche Ruhe. Während Hartwig Rackwitz auf einem dreiradähnlichen Gefährt steht, zerren vorn drei Schlittenhunde an dem Geschirr. Sie wollen jetzt nur eines - rennen. Doch 30 Sekunden müssen sie noch warten, gehalten von Helfern, die Mühe haben, die zwei schönen weißen Samojeden und den Leithund, einen Malamuten zu bändigen. Bei "Go" startet das Team des Mushers aus Quering bei Delitzsch. Rackwitz geht in die Hocke, während die drei Hunde den Musher bergauf bringen. 6,7 Kilometer geht es in der durch Wald sowie Feldflur immer wieder bergan und bergab.
Die Zuschauer an der Strecke halten sich in Grenzen. Im Ziel haben es sich aber Mitarbeiter der Lebenshilfe in Weddersleben auf Liegestühlen in der Morgensonne bequem gemacht. Sie sind extra angereist, um einen ihrer Betreuer zu sehen, der hier mitfährt.
Sven Pippig war mit seinen Siberian Huskys schon einmal Europameister. Doch nun sind seine Hunde in die Jahre gekommen. Nach dem ersten Rennen liegt er auf Platz drei der sechs Starter mit acht Huskys. "Sie haben ein Durchschnittsalter von elf bis zwölf Jahren, mit den Drei- oder Vierjährigen können sie nicht mehr mithalten", erklärt er. Aber weil sie noch laufen wollen, fährt er aus Spaß noch bei den Rennen mit. Nun hofft er auf den Harz-Börde-Pokal in der "Happy-Dog-Klasse", einer extra für die vierbeinigen Veteranen eingeführten Klasse.
"Mit einer eigenen Züchtung hat es nicht geklappt", bedauert der im Güntersberger Ortsteil Friedrichshöhe lebende Musher. Doch nach 15 Jahren Schlittenhundesport denkt er keineswegs daran, eines Tages aufzuhören. "Ein neues Team steht schon", verkündet er und berichtet von gerade fünf Monate alten Hounds, einer Mischlingsrasse, die vor allem die Rennen in Skandinavien und Amerika dominieren. Im nächsten Jahr will er mit ihnen noch einmal richtig angreifen.
Im Lager sind vor allem die Kinder von den Schlittenhunden fasziniert, die nicht nur schön, sondern auch kuschlig sind und sich streicheln lassen. Dajana Heitmann ist mit ihren Kindern jedes Jahr hier. "Julia und Gina durften sogar beim Deutschen Meister auf dem Schlitten sitzen", berichtet die Westerhäuserin. Auch die Kinder von Anja und Dirk Heitmann aus Quedlinburg sind begeistert. Die Eltern bedauern nur, dass die Veranstaltung nicht noch mehr bekannt gemacht wurde. Rennleiter Steffen Thies ist dennoch zufrieden. 42 Starter stellen eine Steigerung dar. Er ist stolz, dass viele große Gespanne zur Auftaktveranstaltung des Vereins Mushing Sachsen-Anhalt gekommen sind. Heute seien meist Fahrradfahrer mit ein bis zwei Hunden in der Überzahl. Auch in Westerhausen starten zehn Gespanne mit Velos. Doch auch sieben Läufer, die sich einen Hund als "Zugpferd" mit einem Gurt an sich gebunden haben, gehen als "Skandinavier" auf die 4,2 Kilometer-Runde.
Für die Musher aus Sachsen-Anmhalt ist die von Burghard Sinna geführte Ranch regelmäßiger Treffpunkt. Neben dem Impftreffen vor der Saison freuen sich Julia (16) und Lisa Rackwitz (11) vor allem auf die Ostertreffen mit Osterfeuer sowie Ostereiersuchen. Als Helmut Rackwitz, ihr Vater, ins Ziel kommt, kennen sie kein Mitleid mit den einst weißen Hunden. "Ab in die Waschmaschine", ruft Julia, die einst selbst Kinderrennen fuhr, nun aber meist mit dem Leipziger Opernchor unterwegs ist. Im nächsten jahr will die Familie, die sogar eine Esel- und Schlittenhunderanch betreibt, wieder kommen. Vielleicht kommt Sven Pippig dann über Rang vier hinaus.